22.02.2026
Warum ich aufgehört habe, den
Algorithmus zu füttern
Hand aufs Herz: Ich bin Hobbyfotografin. Das Wort „Hobby“ impliziert eigentlich, dass es Spaß machen sollte. Es sollte Entspannung sein, ein kreatives Ventil nach dem Feierabend. Aber irgendwann fühlte sich mein Fotografie-Account bei Instagram nicht mehr nach Hobby an, sondern nach einem unbezahlten Teilzeitjob, für den ich nie unterschrieben habe.
Ich habe schlichtweg keine Zeit (und null Lust), „Insiderwissen“ über die neuesten Algorithmus-Änderungen zu sammeln. Wenn man mal eine Woche im echten Leben beschäftigt ist, bestraft einen die App sofort mit digitaler Unsichtbarkeit. Ich möchte fotografieren, wenn ich Licht und Motiv finde und nicht, wenn Mark Z. meint, es sei mal wieder Zeit für „Content“.
Es ist mittlerweile ein echtes Suchspiel geworden: Wo versteckt sich zwischen den gesponserten Posts für Wunder-Staubsauger und dubiosen Coaching-Anzeigen eigentlich noch echte Fotografie? Die Flut an Werbung hat mir den letzten Rest Inspiration geraubt.
Bevor ihr fragt: Nein, ich bin nicht komplett untergetaucht. Meinen Privataccount gibt es noch. Ich brauche meine tägliche Dosis Hundevideos, Updates von Bekannten und ein paar interessante Accounts dann doch zu sehr. Aber der Druck, dort als „Fotografin“ abzuliefern, ist weg.
Ich bin ehrlich: Ich werde einige großartige Fotografie-Accounts, denen ich gefolgt bin, als Inspiration sehr vermissen. Es gab dort Profile, die mich wirklich weitergebracht haben. Aber am Ende ist es wie bei einer zu engen Jeans: Man kann nicht alles haben – entweder man atmet frei oder man sieht gut aus (oder hat eben eine hohe Reichweite). Ich habe mich fürs Atmen entschieden.
Ich bin umgezogen. Und zwar zur App „Foto“. Es fühlt sich dort momentan an wie eine Waldwanderung nach einem Rockkonzert.
Der größte Pluspunkt: Man sieht keine Likes bei fremden Bildern. Das klingt banal, ist aber ein Gamechanger. Der ständige, unterbewusste Vergleich fällt einfach weg. Man schaut sich das Bild an, weil es ein Bild ist. Punkt.
Die Kehrseite: Ja, es ist noch ein bisschen still dort. Der Austausch könnte deutlich höher sein. Aber hey, vielleicht fange ich einfach mal bei mir selbst an und werde dort aktiver, statt nur passiv zu konsumieren.
Der kleine Haken: Wer gerne am Rechner mit dabei ist, muss jetzt stark sein – „Foto“ ist aktuell noch nicht über den Desktop erreichbar. Man muss also den Umweg übers Smartphone gehen.
Mein Fazit: Ich tausche Reichweite gegen Seelenfrieden. Wer Lust auf echte Fotografie ohne den „Like-Druck“ hat, darf mich dort gerne suchen. Ansonsten sehen wir uns hier auf der Homepage, ganz ohne Algorithmus, dafür mit viel Herzblut.

27.09.2025
Wie alles begann ...
2009 war für mich ein schwieriges Jahr voller Herausforderungen und Umbrüche. Eine komplizierte Lebensphase, in der ich dringend etwas brauchte, das mich runterholte. Andere gehen zum Yoga oder meditieren – ich habe mein Handy gezückt. Ja, genau, ein Handy! Kein fancy iPhone mit zig Kameras, sondern so ein Gerät, das heute vermutlich als „Retro“ durchgehen würde. Die Fotos waren pixelig, das Rauschen lauter als jeder Rockkonzertbesuch – aber sie hatten etwas: Sie zwangen mich, genauer hinzuschauen.
Die ersten Fotos waren… na ja, sagen wir: charmant unscharf.
Aber mit den Augen sah ich plötzlich immer mehr Kleinigkeiten. Regentropfen wie kleine Diamanten, Schatten, die Muster malten, oder die bunten Farben der Natur. Fotografie wurde für mich eine Form von Achtsamkeit. Statt Alltagstrubel: ein Moment, ein Bild, ein tiefer Atemzug.
Natürlich blieb es nicht beim Handy. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich dachte: „Jetzt will ich richtig fotografieren. Ich will den Menschen da draußen zeigen, wie ich die Welt sehe und wie schön all das ist!"
Also zog meine erste Spiegelreflexkamera ein. Ein Einsteigermodell, nicht zu teuer, nicht zu kompliziert – aber für mich damals ein Meilenstein. Endlich konnte ich mit Blende, ISO und Belichtungszeit herumprobieren. Zugegeben: Viele meiner Fotos hätten locker als abstrakte Kunst durchgehen können. Aber genau dieses Scheitern hat den Lerneffekt ausgemacht.
Fotografie lernen funktioniert für mich am besten durchs Machen. Natürlich habe ich Bücher gelesen und Kurse besucht – aber die besten Lektionen kamen aus meinen eigenen Fehlern.
Wie funktioniert Langzeitbelichtung? Welche Verschlusszeit benötigt ein lebhafter Hund? Was passiert, wenn ich diese und jene Parameter ändere?
Nach zwei, drei Jahren wurde die erste Kamera zu klein. Ich wollte mehr ausprobieren, flexibler sein, also tauschte ich nach und nach immer wieder die Bodys aus. Dazu Objektive in allen Varianten: Weitwinkel für Landschaften, Tele für Tiere, Makro für kleine Wunder. Es fühlt sich ein bisschen an wie Pokémon – ich will sie alle!
Und diese Sammelleidenschaft von Momenten hat bis heute nicht aufgehört!
